Geschichte

Rückblick auf über 90 Jahre Karneval

Schon im 50-jährigen Festheft stand:
Am guten Alten in Treue halten
des guten Neuen sich Allezeit erfreuen.


So jährt sich im Jahre 2017 der Tag, an dem vor 90 Jahren im „Treppchen“ (Textoris) ein Club von „elf“ Männern über die Gründung einer Karnevalsgesellschaft diskutierte. An dieser Stelle wird nochmals deutlich dargestellt, dass mit Treppchen nicht die ehemalige Discothek gemeint ist, sondern eine damalige, urige Gaststätte in der im wahrsten Sinne des Wortes das Pullemer Hätz schlug.

Im ersten Protokoll der im Januar 1927 gegründeten Gesellschaft schrieb der einstmalige Sekretär und spätere Literat Engelbert Gütten (auch Güttens Engel genannt):

Beim Köbes Textoris, ganz en ner Hött
Do gingen op einmol de Mule jet flöck
Et wood gegrübelt, simoleed krüz un quer
Üvver dä Hergang beim Fasteleer

Hatten och als manche die nüdige Schwere,
Et kam doch – un dat es alle Ehre –

Zor Gründung der Karnevalsgesellschaft
Ahl  Häre.

Neben den eigentlichen „elf“ Gründern der Gesellschaft, den Herren

– Beyer, Josef
– Evertz, Peter
– Gütten, Engelbert
– Herchenbach, Heinrich
– Herchenbach, Wilhelm
– Koch, Hubert
– Nöthen, Mathias
– Pesch, Jakob
– Textoris, Jakob
– Breidenbach, Jean
– Faßbender, Johann

sind kurz nach der Gründung die Herren Thomas Hyazinth und Johann Stauff in die Gesellschaft eingetreten. Das Wirken dieser alten Kämpen, sei es als Präsident, Schriftführer, Literat, Kassenverwalter, Vorstands- oder Festausschussmitglied oder als Repräsentant der Gesellschaft im Elferrat war uneingeschränkt und uneigennützig.

Vor dem Krieg gab es den ein oder anderen Prinzen, aber sogleich im Gründungsjahr 1927 auf jeden Fall den ersten Zug. Ein paar einachsige Knollenwagen wurden parat gemacht, davor schwere belgische Kaltblüter mit bunten Bändern beschmückt gespannt und ein paar Bolderwagen per Hand mitgezogen.

Mer hatte Spaß an d`r Freud, das war die Hauptsache und sollte auch für die Zukunft das Motto sein. Doch es sollte nicht dabei bleiben, nur einen Verein zu gründen, sondern es sollte eine Gesellschaft entstehen, die es sich zur Aufgabe machte, echte Freude zu vermitteln. Man darf bei dieser Betrachtung nicht die Gegebenheiten vergessen. Man konnte nicht mal eben so nach Köln fahren, das war eine Tagesreise, es gab kein Kino, keine Disco und keine heute üblichen Veranstaltungen. Man musste schon selbst was auf die Beine stellen.

Die Nachkriegszeit des ersten Weltkrieges hatte zudem Fehlblüten in der Auffassung des Frohsinns getrieben. Die Ahl Häre wollten den rheinischen Humor im Pulheimer Bereich auf ein besseres Niveau heben und originelle Fastelovensbräuche, Sitzungen und Umzüge so gestalten, dass diese der Kritik der Öffentlichkeit standhalten konnten. Aus verhältnismäßig kleinen Anfängen – im Gründerjahr zählte die Gesellschaft 18 Mitglieder – entwickelte sich der Verein so, dass ihm heute über 400 Mitglieder angehören.

Zum 20-jährigen  Bestehen im Jahre 1947 forderte der damalige Präsident den musikalisch begabten Westfalen Hermann Rohde auf, ein Lied für die Gesellschaft zu schreiben. Das Ergebnis war der bis heute zum Vereinslied erhobene Karnevalsschlager:

Wollt Ihr ens richtig Fastelovend fiere
Dann kutt noh Pullem bei der Ahlen Här
Do künnt Ihr Üch vun Hätze amüsiere
Denn die verstonn jet vun däm Fasteleer

1950 wurde ein eigenes Tanzkorps geschaffen. Hermann Rohde komponierte den Tanzmarsch der Ahl Häre und ein Jahr später den Mariechentanz. Als erstes Tanzpaar wirbelten Gerta Lauff, geb. Thomas und Hans Ditzer im Jahre 1950 über die Bühne. Auch das Jahr 1956 brachte eine Neuerung. Der spätere Präsident Kaspar Adolph gründete zusammen mit 13 Mitstreiter/innen den Veedelszog der KG. Eine bunte Truppe, die bis heute noch besteht und jedes Jahr ihr Können zeigt.

Im Jahre 1961 wurden erstmals Kindersitzungen in Pulheim durchgeführt. Die Organisation lag in den Händen von Caecilie Tibi, geb. Haentjes und Norbert Rohde. Dadurch wurde die Jugendarbeit so langsam ins Leben gerufen.

Im Jahre 1967 gründete und leitete Norbert Rohde das Kindertanzkorps „Pullemännchen“, für das Heimatkomponist Hermann Rohde auch gleich den Marsch der Pullemännchen komponierte mit einem Text, der auch heute noch bei keinem Auftritt fehlen darf.

Im Jahre 1968 wurde die junge Truppe durch die Gründung eines Fanfarenkorps erweitert. Man fand viele Sponsoren, die daran Gefallen hatten und für die Beschaffung der Instrumente spendeten. Das Korps fand entsprechenden Anklang und wurde über Pulheims Grenzen hinaus bekannt. Leider gab es Querelen im Jahre 1972 mit dem damaligen Leiter über finazielle Entscheidungen und es kam zur Einsetzung eines gerichtlichen Notvorstandes. In einer turbulenten Mitgliederversammlung wurde die Trennung vom Fanfarenkorps beschlossen. Diese firmierte in der Folge als Musik- und Fanfarenkorps und entwickelte sich 1973 zur Neuen Pulheimer KG.

Kaspar Adolph übernahm daraufhin das Ruder bei den Ahl Häre und führte entsprechend dem Wandel der Zeit eine Reorganisation der gesamten Gesellschaft durch. Mit der entstehenden „Konkurrenz-Gesellschaft“ verlor Pulheim leider eine besondere Eigenart im Karneval, nämlich die eigenen Redner mit Lokalkolorit. Da die neue Gesellschaft auf keine eigenen Kräfte zugreifen konnte, holte man nur Karnevalsprofis.

Da man diesem Trend folgen musste und damit erhebliche Kostensteigerungen verbunden waren, mussten die finanziellen Mittel erheblich erhöht werden. So wurde den Vorstellungen Kaspar Adolph entsprechend zur Unterstützung ein Senat geschaffen, der dank des von ihm berufenen Senatspräsidenten Gerd Piehl bis heute das finanzielle Rückgrat der KG Ahl Häre darstellt.

Zur Repräsentation nach außen und zur Wahrung des Gesellschaftsinteressen wurde ein „Ehrenrat„, bestehend aus den Spitzen des Rates, der Verwaltung und der kulturtragenden Vereine, zwecks Übernahme einer Schirmherrschaft, gebildet.

Um dem Präsidium ein gedeihlicheres Arbeiten zum Wohle der Gesellschaftsinteressen zu ermöglichen und zugleich die Mitglieder unmittelbar am Vereinsgeschehen in verantwortlicher Form teilnehmen zu lassen, setzte man Arbeitskreise ein, deren Handeln und Wirken sich bis heute bewährt hat.

Die vielfältigen Aktivitäten innerhalb der KG, nach außen hin sichtbar durch den weiteren Ausbau des Pulheimer Karnevalsgeschehens und glückhafte Einführung von Neuerungen, wie Kinderprinz, Herrensitzung, Damensitzung, Jugend-Disco, Eröffnung des Straßenkarnevals und Senatsball waren und sind bis heute nur durch den persönlichen Einsatz aller Mitglieder möglich.

Eine weitere Entwicklung ergab sich beim Tanzkorps, das es von traditionellen Anfängen zu einem gemischten Korps mit Showeffekten gebracht hatte. Nach einigen Querelen entschloss man sich 1980 dazu, diese Tradition zu beenden. Da damit aber auch niemand so recht zufrieden war, entschloss man sich 1981 zur Gründung der Stadtgarde, die auch im gleichen Jahr unter der Federführung von Norbert Rohde umgesetzt wurde.

Im Jahre 1987 folgte eine weitere Neuerung beim Ahlen Här. Um die Verantwortung der Gruppen und Abteilungen hervorzuheben, erhielten alle einen Gruppenvorstand mit eigener Kassenführung unter der „Oberaufsicht“ des Präsidiums. Damit war man flexibler bei der Gestaltung und hatte mehr Verantwortung bei größerer Handlungsfreiheit.

Im Jahre 1996 vollzog die bis dahin reine Männergesellschaft Ahl Häre einen weiteren entscheidenden Schritt. Nicht ganz unumstritten war der Beschluss auf der Jahreshauptversammlung Damen ganz offiziell in die KG aufzunehmen. Bislang nur im Hintergrund mitgearbeitet und geduldet, kann man nach 15 Jahren feststellen, dass dieser Schritt in die richtige Richtung ging und der KG sehr gut zu Gesicht steht.